Die Geschichte der Keramikplatten: Einem Werkstoff mit langer Tradition

Fürstenzug in Dresden © Helga PIXELIO www.pixelio.de

Bei Keramikplatten bzw. bei der Keramik an sich handelt es sich um ein Material, das eine enorm lange kunsthandwerkliche Tradition besitzt. Denn bereits vor 30.000 Jahren benutzten die Menschen keramische Gegenstände und vor etwa 11.000 Jahren wurden im Nildelta die ersten Gefässe aus Keramik hergestellt.

Die lange Tradition des Werkstoffs spiegelt sich auch in der Ursprungsbedeutung des Wortes „Keramik“ wieder, da diese von „Keramos“ her stammt, dem altgriechischen Wort für Ton. Tonnmineralien selbst sind hingegen Verwitterungsprodukte, die durch abgelagerten Feldspart und andere Beimischungen bereits vor Millionen von Jahren in der Natur entstanden.

Keramikplatten: bereits in der Antike sehr beliebt

Zum Industrieprodukt wurde die Keramik bereits in der römischen Antike, da sie dort als Gebrauchskeramik in Form von roten, unglasierten Gefässen und Tellern für den Hausalltag, den sogenannten „Terra Sigillata“, eine sehr grosse Verbreitung fand. Darüber hinaus wurden ebenfalls im Römischen Reich schon in grossem Fertigungsstil rote keramische Dachziegel und Bodenziegel produziert, die hauptsächlich bei Häusern des römischen Mittelstandes zum Einsatz kamen.

Keramikplatten hingegen, die als Wandbelag eine Verwendung fanden, besitzen ebenfalls eine sehr lange Herstellungstradition. Für Wände wurden Keramikplatten nämlich auch schon im Altertum in Mesopotamien, Persien und in Ägypten vor allem im islamisch-arabischen Baustil verwendet. Nach Europa, genauer gesagt Spanien und Portugal, gelangten farbige, glasierte Keramikplatten schliesslich durch die Mauren, wodurch diese Handwerkskunst dann vor allem in Portugal durch die farbenprächtigen Azulejos überaus populär wurde.

Die ersten nichtrömischen Keramikplatten in Deutschland wurden für Fussböden verwendet und stammen aus dem Mittelalter um das Jahr 1.000 herum. Zwar fand durch zahlreiche Handelswege während dieser Zeit die Keramik eine grosse Verbreitung in Europa, da jedoch das Wissen der industriellen Fertigungskunst aus der römischen Antike nicht mehr vorhanden war, war die Produktion von Keramikplatten sehr aufwändig und somit recht teuer.

Viele farbenprächtige Keramikplatten im Mittelalter

Außer als Bodebelag wurden während des Mittelalters in Europa Keramikplatten auch sehr häufig zur Kaminumrandung verwendet, wobei diese entweder stilvolle Reliefverzierungen besassen oder ein ästhetisches Zweifarben-Muster vorwiesen. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden dann die überaus kunstvollen farbenprächtigen Fayenceplättli, die zuerst in Südeuropa, dann später in Belgien und den Niederlanden hergestellt wurden, sehr populär und fanden als ornamentreiche Wand- und Bodenverzierungen eine grosse Verbreitung. Im Zuge der enormen Beliebtheit von Fayence-Plättli entwickelte sich auch dann ab dem Ende des 17. Jahrhundert die Niederlande zum grössten europäischen Herstellungsland von Keramikplatten.

Durch die industrielle Revolution, die ab dem 19. Jahrhundert einsetzte, verbreiteten sich Keramikplatten schliesslich schlagartig in ganz Europa. In der heutigen Zeit erfolgt die Produktion von Keramikplatten vorwiegend in grossen Fabriken, deren Fertigungsprozesse weitestgehend automatisiert ablaufen. Darüber hinaus gibt es heutigentags aber auch noch recht viele kleine Handwerksbetriebe, die ganz eigene, besonders ästhetische Keramikplatten herstellen.

Im FliesenNetzwerk-Blog wird auf eine erst kürzlich stattgefundene Mosaik-Kunstausstellung eingegangen, in der natürlich auch Keramikplatten nicht fehlen durften.

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