Die portugiesischen Azulejos – Zur Kunstform erhobene Plättli

Portugiesische Azulejo © Rolf Handke PIXELIO www.pixelio.de

Im keinem Land der Welt kann man schönere Kunstwerke aus Plättli bewundern als in Portugal – dem Land der Azulejos. Zwar kam die Azulejo-Kunst, große buntbemalte, glasierte Keramikplatten mit imposanter Motivik in oder an Gebäuden, durch die Mauren nach Spanien und Portugal und verbreitete sich als Kunstform in beiden Ländern sehr schnell gleichermassen eindrucksvoll. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich die Azulejo-Kunst jedoch in ganz Portugal eigenständig weiter – und wurde dort noch um ein Vielfaches weiter perfektioniert. Deshalb bezeichnen heutzutage Kunsthistoriker diese aussergewöhnlich schöne Plättli-Kunst auch als Azulejaria portuguesa – was unstrittig die weltweit bedeutendesten Kunstwerke aus Plättli sind.

Die beiden grossen Blütezeiten der portugiesischen Azulejo-Kunst

Ab dem 16. Jahrhundert, als Portugals reiche Kolonialzeit mehr und mehr zu Ende ging, wurden die finanziellen Mittel für teure Kunst-Importe immer geringer. Als Folge davon stieg die Inlandsproduktion von Kunstwerken und deshalb wuchs auch speziell die Anzahl von Werkstätten, die das Bemalen von Keramikplatten als Kunsthandwerk betrieben, stetig an. Hierbei siedelten sich natürlich in und um die Hauptstadt Lissabon aufgrund ihrer grossen Bedeutung für Portugal die meisten Azulejo-Künstler an.

Ab dem 17. Jahrhundert, als blauweisses Porzellan aus China überaus populär in ganz Europa wurde, veränderte sich die portugiesische Azulejo-Kunst hin zu riesigen grossartigen blauweissen Tableaus aus Plättli, die sowohl als Bodenplatten als auch Wandplatten eine überaus facettereiche figurative Motivik vorwiesen. Leider wurden durch das grosse, verheerende Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 viele imposante Azulejo-Kunstwerke unwiederbringlich zerstört.

Im 19. Jahrhundert kamen die Azulejos in Portugal zu einer zweiten grossen Blütezeit, da kunstfertige Plättli als Schutz gegen Regen und zur Kühlung bei Hausfassaden in Mode kamen. Daher wurden in den Folgejahren in Lissabon und Porto teilweise komplette Strassenzüge mit Azulejos versehen – die bis heute noch vielfach in beiden Städten überaus zahlreich an alten Gebäuden zu bewundern sind.

Die portugiesische Plättli-Kunst ist in Portugal noch allgegenwärtig

Dass die Azulejos in Portugal wie in keinem anderen Land zur Kunstform erhoben wurden, zeigt sich auch überaus eindrucksvoll in dem 1965 in Lissabon gegründeten Azulejo-Museum. Schon alleine der Ort des Museums, die Klosterkirche Madre de Deus, ist ein atemberaubender Beweis der grossen portugiesischen Plättli-Kunst. Denn die Klosterkirche ist voll von unglaublich beeindruckenden blauweissen Tableaus.

Aber auch in der heutigen Zeit ist die Azulejo-Kunst in Portugal allgegenwärtig, vor allem aber in Lissabon, wo für die Expo im Jahre 1998 die Fassade des beeindruckenden Ozeaneums mit sage und schreibe 54.000 klassischen handbemalten blauweissen Azulejos versehen wurde. Im Zuge des Ausbaus der Lissabonner Metro sind sogar mittlerweile bei sehr vielen Metro-Stationen künstlerisch wertvolle Keramikplatten „unter der Erde“ zu finden.

Im Portugal-Blog findet man einen sehr interessanten Artikel, der die Problematik thematisiert, dass Azulejos auch für Kunsträuber sehr lukrativ sind.

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2 Antworten zu “Die portugiesischen Azulejos – Zur Kunstform erhobene Plättli”

  1. […] gibt es in Spanien eine grossartige Handwerkskunst als Hinterlassenschaft der Mauren – die Azulejos. Das ursprünglich aus dem arabischen „al zulaij“ stammende Wort heisst nämlich […]

  2. […] Halbinsel. Denn in Portugal und Spanien gab es einmal die architektonische Mode, sogenannte Ajelejos zur Verschönerung von Aussenwänden zu verwenden. Daher wird man mit ziemlicher Sicherheit […]

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